Nun ist es soweit
Sorgen, Ängste und Hoffnungen zur Fusion
Zum 1. Jan. 2011 schließen sich die bisher eigenständigen Kirchengemeinden Untermünkheim, Enslingen und Übrigshausen zu einer Gemeinde zusammen, der neuen Kirchengemeinde Untermünkheim.
Was bei den Einen Grund zur Freude und eine natürliche Entwicklung der jahrelangen intensiven Zusammenarbeit ist, weckt bei anderen Gemeindegliedern Ängste und Sorgen.
Muss das sein – es war doch seither gut wie es war! Muss sich denn alles ändern und größer werden?
Verlieren wir nicht ein stückweit Identität? Werden die Kleinen von den Großen geschluckt und verlieren an Bedeutung und werden gar zu Bittstellern? Welche Auswirkungen hat das auf die Pfarrstellen für die Zukunft, ja auch auf die finanzielle Ausstattung? Haben wir da mit Kürzungen zu rechnen? Soll es nun bei den Gottesdiensten oder Gemeindeveranstaltungen vor Ort Kürzungen geben? Was wird aus uns älteren Mitbürgern wenn das der Fall ist? Auch die Frage, wie sich das Verhältnis der Pfarrer in Zukunft gestaltet, wenn die Geschäftsführung bei der 100 % Pfarrstelle liegt, bewegt Menschen. Wertet das die 50% Stelle ab?
Diese Sorgen und Bedenken wollen wir nicht beiseite schieben sondern ernst nehmen.
In den Gemeinden der Landeskirche hat sich in den letzten Jahren viel bewegt und das wird wohl auch in Zukunft der Fall sein. Wir sind in der „glücklichen“ Lage dass über eine lange Zeit der Zusammenarbeit ein vertrauensvolles Miteinander möglich ist. - Dass wir gemeinsam eine gute Grundlage erarbeiten konnten und nicht in der Situation vieler anderen Gemeinden sind, die auf Grund von Stellenstreichungen kurzfristig Wege zur Zusammenarbeit finden müssen. Wir fusionieren unsere drei Kirchengemeinden innerhalb einer bürgerlichen Gemeinde – wo sich Menschen auch in Kindergarten, Schule, Vereinen und im täglichen Leben begegnen.
In einer neuen Geschäftsordnung für die Pfarrämter Untermünkheim und Enslingen werden gemeinsam mit den Stelleninhabern die Aufgabenbereiche und Leitungsfunktionen geordnet, um auch hier eine gute Grundlage für die Zusammenarbeit zu haben. Von der Bindung der Geschäftsführung an eine Stelle erhoffen wir uns, dass unseren Pfarrern mehr Zeit für die Gemeindearbeit, Besuche und Seelsorge bleibt. Zeit, die den Gemeindegliedern, und nicht der doppelten Verwaltung zu Gute kommen soll.
Von daher betrachten wir als Kirchengemeinderäte die Fusion als einen natürlichen Schritt. Ein Gemeindeglied hat es folgendermaßen beschrieben. „Die Zeit der ersten Liebe ist vorbei – nun wird geheiratet. – Heiraten - das heißt sich in gegenseitigem Vertrauen zusammen zu tun. Ein jeder der Partner bringt etwas mit und wir müssen gemeinsam den Raum schaffen, damit den individuellen Belangen Rechnung getragen wird. Gleichzeitig wird ein jeder der Partner auch etwas aufgeben müssen von dem was er gewohnt ist. Wie in einer richtigen Ehe wird es auch immer wieder Situationen geben wo wir an Punkte kommen wo es schwierig ist miteinander, wo verschiedene Standpunkte aufeinander treffen. Wo wir Einflüssen von Außen ausgesetzt sind, die wir gemeinsam bewältigen müssen. Nicht alles wird und muss gelingen – auch das müssen wir als Partner miteinander aushalten.
Aber was erleben wir nicht alles Schönes in einer Beziehung. Wir wagen miteinander Neues, wir versuchen einander zu unterstützen, zu ergänzen und uns gegenseitig zu tragen. Mir fallen viele Beispiele aus unserer „Verlobungszeit“ ein, die unser Gemeindeleben reich und bunt gemacht haben und die nicht mehr wegzudenken sind. Ja, für die wir von Herzen dankbar sein können. Wenn ich z. B. an den Verein für Diakonie und Seelsorge und an den Verein für Jugendarbeit und Gemeindeaufbau denke. Welche segensreiche Arbeit konnte hier durch die Zusammenarbeit der Gemeinden entstehen. Alleine wäre das nicht zu schaffen gewesen.
So sind wir überzeugt diese „Ehe“ auf einer guten Grundlage zu schließen und auf einem guten Weg gemeinsam weiter zu gehen.
Ich wünsche mir für unsere neue Gemeinde:
Dass wir in Vertrauen und großer Offenheit zusammen wachsen und trotz einer gewissen Traurigkeit über Vergangenes oder Gewohntes offen sind für diese Veränderung.Dass nicht der Verlust im Vordergrund steht, sondern wir miteinander gespannt sind auf das was neu in unserer Gemeinde wachsen will.
Ich denke da an die Jahreslosung von 2007:
Gott spricht: Siehe ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihrs denn nicht. Dazu braucht es auch unsere offenen Augen und Herzen und tatkräftige Hände.
Dass wir in dieser Hoffnung auf das Neue zugehen, trotz aller Ungewissheit die das Leben mit sich bringt.
Dass wir miteinander auf dem Weg sind und unser Ziel vor Augen haben:
Gemeinsam Gottes Liebe sichtbar zu machen.
Dass uns seine Liebe als Christen zusammenhalten will und wir uns täglich davon beschenken lassen dürfen. Ja, dass sie an unserem Leben sichtbar wird.
Rosemarie Müller
