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21.05.2012 : 10:56

Später schrieb Wallace, dass seine Begegnung mit dem spöttelnden Colonel zwei Folgen hatte: Zum einen ist aus der Beschäftigung mit Jesus das Buch "Ben Hur" entstanden, das er 1880 veröffentlicht hat. Und zum anderen seine persönliche Hinwendung zum Glauben, zu Jesus.

Das Buch wurde ein Bestseller, nur die Bibel wurde im 19. Jahrhundert öfter gedruckt als "Ben Hur", der insbesondere durch seine Verfilmungen noch heute bekannt ist, während Wallace' andere Werke praktisch vergessen sind.

Im Roman ist die Hauptperson Juda Ben Hur Jesus zwei Mal begegnet: Einmal, als er in die Sklaverei geführt wurde und Jesus ihm, dem Gefangenen, etwas zu Trinken gab. Und dann, als er Jesus wieder in Jerusalem sieht: Diesmal ist Jesus der Gefangene, der hilflos zum Kreuz geführt wird und dort stirbt.

Beim ersten Mal hat er Jesus überhaupt nicht erkannt, er hat nur gemerkt: Da tut mir einer was Gutes, obwohl ich ganz ganz unten stehe. Diese erste Begegnung steht für alle die Zieten im Leben, wo Gott, wo Jesus uns Gutes getan hat, ohne dass wir es groß gemerkt oder ihm dafür gedankt haben.

Beim zweiten mal geht es Juda Ben Hur äußerlich wieder gut. Und Jesus ist der Gefangene, der hilflos am Kreuz stirbt. Aber jetzt, wo er doch eigenlich alles hat, was er wollte: Die Freiheit, wieder Geld und Ansehen, und v.a. die Rache an seinem Erzfeind Mesalla, jetzt merkt er: Ich habe zwar die Sklaverei überlebt, aber das Leben muss doch mehr sein, ich bin gefangen, voller Hass und Verbitterung. Wirklichen Frieden gibt mir die Rache an Messalla nicht, wirklich heil werde ich nur bei diesem Mann am Kreuz, der dort auch für mich stirbt. Juda Ben Hur sagt am Schluss: „Jesus ist nicht tot. Er lebt in mir, in Euch, in uns allen, wir müssen IHN nur in unser Leben lassen“.

Ein Roman. Aber ganz nahe an dem, was Lew Wallace selbst erlebt hat. Er ist Jesus ja auch zweimal begegnet: Im Spott seines Offiziers und dann am ende seiner Suche v.a. in der Bibel gelesen. Eigentlich, um diese zu widerlegen! Aber so ist er nahe zu Jesus gekommen. Und das hat ihn zutiefst verändert. Er hat etwas entdeckt, was er sonst nirgends gefunden hat: Den echten Frieden mit Gott.

Im Grunde hatte Lew Wallace ja alles, was man erreichen kann: Er war ein Kriegsheld, war ganz oben in der Regierung, hat viele gute Sachen gemacht und großes Ansehen genossen. Und hat vielleicht mehr Abenteuer erlebt als wir alle zusammen. (Wer von uns hatte schon mit einem Killer wie „Billy the kid“ zu tun oder mit Präsidentenattentätern?) So jemand – denkt man – braucht doch nichts mehr. Aber die Begegnung mit Jesus ist für ihn das Zentrum seines Lebens geworden.

Was heißt das für uns? Zwei Punkte:

1.) Ich glaube, dass auch wir Jesus als Zentrum unseres Lebens brauchen. Als den, der die Dinge des Lebens ordnen kann. Der alles an den richtigen Platz bringt. Manchmal sieht es auf meinem Schreibtisch total chaotisch aus: Mehrere Stapel Papier: Briefe, Rchnungen, Akten, Werbung – alles durcheinander. Das ist ja gar nicht alles schlecht, was da liegt, aber der Schreibtisch braucht einen, der die Sachen wieder an den richtien Platz bringt: Den Müll wegschmeißt, die Rechnungen bezahlt, die wichtigen Unterlagen einsortiert. Und dann komme ich wieder dazu, das Wichtige wirklich zu tun: einem Freund antworten, mich richtig freuen über das, was ich hinbekommen habe, und das, was schief gegangen ist, nochmal zu probieren.

Keiner hat nur Erfolge, keiner nur Niederlagen, und überall gibt es ein paar Dinge in Ordnung zu bringen. Bei Jesus lerne ich, was wichtig ist, bei ihm kann ich meine Sünden abladen, und Erfolg und Misserfolg richtig einordnen. Und v.a. erleben, dass er wirklich da ist und stärker ist als Hass und Bitterkeit und Tod. „Jesus ist nicht tot. Er lebt in mir, in Euch, in uns allen, wir müssen IHN nur in unser Leben lassen.“

2.) Wie lassen wir ihn in unser Leben? Ich erlebe oft, dass Leute sagen: „Ja, man sollte mehr mit Gott leben, das wäre schon gut, und es würde mich weiterbringen“. Aber es bleibt in der Regel beim täte, wäre, würde, hätte. Laute Konjunktive über ungenutzte Möglichkeiten.

Und da denke: Wir müssen Jesus die Chance geben, dass er uns begegnen kann. Und er begegnet uns nicht anders als allen Christen vor uns: Durch andere Menschen – bei Ben Hur die  Amra, die Amme, die von Jesus hört und das Gehörte nicht für sich behält, sondern weitergibt und dadurch zum Segen für Tirza und die Mutter wird. Das ist das eine. Und das Andere: Er begegnet uns durch sein Wort, dh. in der Bibel.

Ich glaube, die wenigstens von uns haben ein Problem damit, zwei Stunden am Stück fern zu sehen. Aber täglich 10 Minuten für den Blick in die Bibel? Das fällt auch mir furchtbar schwer! 10 Minuten beim Original sein, bei der Quelle, dort, wo ich ihn findne kann.

Ich spreche mal eine gewagte These aus: Angenommen, wir würden hier einen Deal miteinander machen. 10 Minuten Bibel pro Tag - jeder von uns - durch die Bank! Dazu noch ein kurzes, ehrliches Gebet: "Herr, zeig mir, was Dir wichtig ist für mich!" Ich sage Euch: In 1 Jahr würde sich bei uns unglaublich viel verändern.

Nach 15 Dienstjahren als Pfarrer weiß ich eines: Meine Predigten bewegen wenig! Die sind innerhalb einer Woche zu 95% raus aus dem Gedächtnis. Was ich Euch hier erzähle, stammt für Euch alles nur aus zweiter Hand! Das ist gefiltert! Durch mich, durch die Geschichte von Ben Hur … Was wirklich weiterbringt? Das Gespräch mit anderen über den Glauben und: Selber lesen – täglich, kontinuierlich.

Es wird Euch verändern! So wie es Lew Wallace veränder hat. Er, der das ursprünglich gar nicht wollte. Und der dann schreibt: „Jesus ist nicht tot. Er lebt in mir, in Euch, in uns allen, wir müssen IHN nur in unser Leben lassen.“ Amen