Killianskirche Untermünkheim

 

Ich komme von einer längeren Reise zurück. Über die B 19 geht es beim Steigenhaus hinab ins Kochertal. Als Erstes erblicke ich den hoch aufragenden Kirchturm von St. Kilian – endlich wieder daheim! Geht es Ihnen auch so?
Viele Kirchen sind im 741 n. Chr. gegründeten Bistum Würzburg, zu dem wir bis zur Reformation gehörten, nach Kilian benannt. Der Kirchenpatron erlitt bei seiner Missionstätigkeit im Frankenland 689 n. Chr. den Märtyrertod. Die erste Münkheimer Dorfkirche entstand vielleicht schon im 8. Jahrhundert, zunächst aus Holz gezimmert. Vom späteren Steinbau mit romanischem Chorturm ist seit einem Brand um 1500 nur noch der Grundriss erhalten. Ein gotischer Spitzbogen vom Nachfolgebau schließt den Durchgang vom Turm ins Dach des Kirchenschiffes ab.
Im Turm hängen heute wieder vier Glocken: Die Taufglocke ist die älteste und stammt aus dem 14. Jahrhundert. Die Betglocke wurde 1417/25, die große Hosianna-Glocke 1508 von Bernhart Lachamann in Heilbronn gegossen. Das kleine „Fünf-Uhr-Glöckle“ hing bis zum zweiten Weltkrieg im offenen Schallfenster nach Westen. Es musste 1942 mitsamt der großen Glocke abgeliefert werden. Letztere überlebte den Krieg auf einem Sammelplatz in Hamburg und kam im Frühjahr 1948 wieder heim. Das kleine Glöckle, welches einst die Bauersleute zur Heimkehr von Feld und Wiese, vom Weinberg ermahnte, fiel dem Nazi-Terror zum Opfer, weil es bereits im ersten Weltkrieg beschädigt und danach umgegossen worden war. Im Jahr 2006 ließ die Kirchengemeinde vor Ort ein neues Glöcklein gießen und in der Glockenstube aufhängen. Bei Taufen dürfen Angehörige es von Hand läuten.
Das heutige Kirchenschiff bot vor seiner Renovierung 1966/67 Platz für über 500 Gläubige – ein Beleg der einstigen Bedeutung als Mutterkirche. Bis 1807 gehörte neben den heutigen Teilorten, dem Diakonat Enslingen mit Schönenberg, Übrigshausen mit Kupfer, Gaisdorf und Eltershofen sogar der südliche Teil von Beltersrot zum hiesigen Kirchenbezirk! Die Namen sind an den Pfosten der Zwerchbänke in der zweiten Empore zu entdecken.
1285 nennt ein Würzburger Pfarrverzeichnis erstmals einen Pfarrer in Untermünkheim. Die Hohenloher Grafen vergaben die Pfründe (das Einkommen des Pfarrers) an das Paulaner-Kloster Goldbach. Mit der Reformation kamen die ersten evangelischen Pfarrer, 1541 Thomas Wiedemann aus Augsburg, 1543 Simpertus Holderbusch aus Hall, hierher. Ein Streit zwischen der Reichsstadt und dem Haus Hohenlohe entzündete sich an der Neubesetzung der Kaplanei Enslingen. Im „Untermünkheimer Tag und Abschied von 1543“ einigten sich die Parteien: Hall erhielt das Recht, in seiner Landwehr evangelische Pfarrer einzusetzen. Unser Pfarrer Stefan Engelhart ist der 30. im Amt.

Planung und Neubau der Kirche zogen sich über Jahrzehnte hin und kamen 1788 zum Abschluss. Am Abend des 7. November erlaubte der Dekan „den Gottesdienst in einer Bittstunde zu eröffnen“; am Sonntag, 9. November 1788 fand der erste festliche Predigtgottesdienst statt. Zum 200jährigen Jubiläum im Jahr 1988 beschrieb der damalige Stadtarchivar Manfred Akermann Hindernisse und Verlauf des Kirchenbaus und machte als ersten Planverfasser Joh. Friedrich Weinbrenner (1697 – 1772) bekannt, den hiesigen Zimmermann, Baumeister und Schultheiß.

Die erste, augenfällige Besonderheit unserer Kilianskirche ist ihre Ausmalung. Frau Dr. Heike Krause hat sie von Beltersrot zum hiesigen Kirchenbezirk! Die Namen sind an den Pfosten der Zwerchbänke in der zweiten Empore zu entdecken.
1285 nennt ein Würzburger Pfarrverzeichnis erstmals einen Pfarrer in Untermünkheim. Die Hohenloher Grafen vergaben die Pfründe (das Einkommen des Pfarrers) an das Paulaner-Kloster Goldbach. Mit der Reformation kamen die ersten evangelischen Pfarrer, 1541 Thomas Wiedemann aus Augsburg, 1543 Simpertus Holderbusch aus Hall, hierher. Ein Streit zwischen der Reichsstadt und dem Haus Hohenlohe entzündete sich an der Neubesetzung der Kaplanei Enslingen. Im „Untermünkheimer Tag und Abschied von 1543“ einigten sich die Parteien: Hall erhielt das Recht, in seiner Landwehr evangelische Pfarrer einzusetzen. Unser Pfarrer Stefan Engelhart ist der 30. im Amt.

Planung und Neubau der Kirche zogen sich über Jahrzehnte hin und kamen 1788 zum Abschluss. Am Abend des 7. November erlaubte der Dekan „den Gottesdienst in einer Bittstunde zu eröffnen“; am Sonntag, 9. November 1788 fand der erste festliche Predigtgottesdienst statt. Zum 200jährigen Jubiläum im Jahr 1988 beschrieb der damalige Stadtarchivar Manfred Akermann Hindernisse und Verlauf des Kirchenbaus und machte als ersten Planverfasser Joh. Friedrich Weinbrenner (1697 – 1772) bekannt, den hiesigen Zimmermann, Baumeister und Schultheiß.

Die erste, augenfällige Besonderheit unserer Kilianskirche ist ihre Ausmalung. Frau Dr. Heike Krause hat sie 1985 im Buch Bemalte Möbel aus Hohenlohe „drei Händen“ einheimischer Schreiner zugeschrieben, den Gebrüdern Glessing und Vater Heinrich Rößler. Die 36 bemalten Emporefüllungen (fünf weitere auf der Kanzelwand) zeigen Rocaillen und Mäander, Ornamente in verschiedenen Blauschattierungen auf hellem Grund. Sie sind von vergoldeten Umrahmungen eingefasst, mit blauen Profilen senkrecht unterteilt. Die Kanzel zieren zehn geschnitzte Rocaillen. Ihre fünfeckige Form ist qualitätsvoll geschreinert und samt Himmel mit Taube in die Altarwand zwischen zwei der vier Pilaster eingepasst. Die Orgelbrüstung darüber hat vier Felder mit aus Lindenholz geschnitzten Akanthuswedeln. Sie gehören mit den vergoldeten Festons zum Besten, was die Ausschmückung von 1788 zu bieten hat. H. Krause schreibt das Akanthuswerk ob seiner hochbarocken Formensprache einer früheren Entstehungszeit und Vater Joh. Georg Glessing (1707 – 1785) zu. Marianne Schumm vermutete, dass ein Mitglied der Bildhauerfamilie Sommer aus Künzelsau, namens Johann Andreas (1716 – 1776), die Schnitzereien um 1770 geschaffen hat. Die bekrönte Tafel vor der Brüstung enthält zwei Wappen: Rechts das reichsstädtisch hällische, links (1806 nachträglich an Stelle der drei Hohenloher Leoparden eingefügt) das vom damaligen Kurfürstentum Württemberg. Der Jahre später aus der Ulmer Gegend erworbene Orgelprospekt fügt sich gut in die Altar-Kanzel-Wand ein. Seither strahlt der ganze Kirchenraum heiter und leicht in spätem Rokoko, was Besucher einer Hohenloher Dorfkirche so nicht erwarten. 
Die bereits erwähnte, auch Markgräfler oder Ansbacher Altarwand genannte vertikale Anordnung von Altar, Kanzel und Orgel übereinander ist das Charakteristikum der Untermünkheimer Kirche. Es ist zu vermuten, aber nicht be-legt, dass sie ihre Entstehung dem künstlerischen Schaffen des alten Meisters Glessing verdankt. Die axiale Anordnung spiegelt protestantische Liturgie – Sakrament, Wortverkündigung und Gotteslob wider. Die Predigt von der Kanzel steht im Mittelpunkt. Beim Neubau 1788 wurden aus „zween Altäre einer gemacht“ und dieser aus dem Chorraum nach vorne gerückt. Der Taufstein ist in das schmiedeeiserne Altargitter einbezogen, welches den einstigen Lettner symbolisiert. Er begrenzte in katholischen Kirchen jenen heiligen Bezirk, der nur Priestern vorbehalten blieb. Die nachreformatorische Kirche vollzieht am Altar ihre beiden Sakramente – Taufe und Abendmahl.
Saalkirchen erbaute man im 18. Jahrhundert in protestantischen Gebieten Nord- und Ostdeutschlands und besonders häufig in der fränkischen Markgrafschaft der Zollern. In deren Residenz Ansbach verkörpert die Stiftskirche St. Gumbertus diesen Typus. In Hohenlohe sind barocke Saalkirchen mit einer Markgräfler Wand u. a. in Kirchensall, Orendelsall, Amlishagen und Hohnhardt zu besichtigen.  Die dritte Besonderheit unserer Kirche sind die beiden umlaufenden Emporen, auf denen früher ausschließlich Männer ihre Plätze, sogenannte Kirchenstühle, besaßen. Kleine Namenstäfelchen auf den Brüstungsbalken weisen noch darauf hin. An der vorderen Brüstungstafel der ersten Empore links hat ein bei der Renovierung aufgedeckter Schriftzug „1807 J MR“ für Irritationen gesorgt, weil er als Initialen von Johann Michael Rößler (1791-1849) gedeutet wurde. Das führte zur fälschlichen Annahme, er habe bei der Kirchenausmalung mitgewirkt. Die Inschrift bedeutet 9. März 1807. Das Datum bezog sich auf die Auflösung des Patronats und Verkleinerung des großen Kirchensprengels, vom damaligen Pfarrer als „abscheuliche Katastroph“ bezeichnet. 
Zum Schluss: Das Besondere am hiesigen Turm ist ebenfalls dreifach. Erstens: Die imposante Höhe; er soll genau 200 Fuß hoch gezimmert sein. Man darf nicht nach Württembergischem Fuß mit 28,649 cm umrechnen; es wären 57,30 m. Richtig ist die Rechnung nach altem hällischem Schuh mit 28,19 cm = 56,38 m. Am Baugerüst, das den ganzen Turm vor Jahren umgab, haben wir nachgezählt: 26 Gerüstböcke mal 2,02 m = 52,52 m + die darüber aufragende Spitze mit Kugel (etwa 3 m) macht immerhin 55,5 Meter – der höchste Kirchturm im Kreis. Zweitens: Die Dachform ist eine achteckige, schlanke Pyramide. Weder Bauleute noch das Jahr der Errichtung des Turmes sind bekannt. In die Eichenbalken vom Glockenstuhl ist die Jahreszahl 1685 eingehauen. Allerdings bleibt fraglich, ob die Untermünkheimer sich knapp vier Jahrzehnte nach dem 30jährigen Krieg eine solch gewaltige Turmerhöhung leisten konnten und wann sie selbige am Turmfuß mit zwei massiven Stützstreben aus Sandsteinquadern stabilisieren mussten.
Drittens: Das Turmdach hat bunt lasierte Ziegel. Wir bedanken uns beim Kirchengemeinderat, dass er trotz höherer Kosten nicht darauf verzichtete, die von Stürmen gerissenen Löcher im Dach wieder mit farbigen Ersatzziegeln zu schließen - die neuen Ziegel, hellblau und grüngelb, leuchten schön in der Abendsonne.

Text & Fotos: Frieder Krumrein